9. Anonymisierte Bewerbung für Stellenausschreibung

Die  Piratenpartei Wittenberg unterstützt und fordert die Erprobung und  Evaluation (Bewertung) von anonymisierten Bewerbungsverfahren. Ziel ist  es, die Chancengleichheit von Bewerbern zu fördern, Diskriminierung im  Bewerbungsprozess zu verhindern und dem sich verschärfenden  Fachkräftemangel durch den Abbau von psychologischen Hürden für Bewerber  zu begegnen.

Anonymisierte  Bewerbungsverfahren können in Form von anonymisierten  Online-Bewerbungsbögen, einheitlichen, anonymisierten  Bewerbungsformularen oder nachträglich anonymisierten, herkömmlichen  Bewerbungsunterlagen umgesetzt werden. Dabei werden in der ersten  Bewerbungsphase keine persönlichen Daten wie Name, Adresse, Geschlecht,  Alter, Familienstand und Herkunft angegeben bzw. auf ein Foto  verzichtet.

Die  PIRATEN fördern die Aufklärung und Umsetzung von anonymisierten  Bewerbungsverfahren sowohl im öffentlichen Dienst, als auch in  privatwirtschaftlich geführten Unternehmen. So profitieren auch die  Arbeitgeber davon, ihren Bewerbern ein diskriminierungsfreies  Bewerbungsverfahren zu garantieren.

Begründung:  Aktuelle Studien belegen, dass gerade zu Beginn des  Bewerbungsverfahrens eine große Wahrscheinlichkeit für eine tatsächliche  Benachteiligung spezifischer Gruppen besteht. Insbesondere Frauen (vor  allem solche mit Kindern), ältere Menschen und Bürger mit  Migrationshintergrund haben bei der zu Beginn eines Bewerbungsverfahrens  durchgeführten Prüfung der eingereichten Unterlagen verminderte  Chancen, ebenfalls zu einem Vorstellungsgespräch oder Eignungstest  eingeladen zu werden.

Gemäß  Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dürfen Bewerber nicht wegen  ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder  Weltanschauung, einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen  Identität benachteiligt werden. Die derzeit etablierten Verfahren zur  Bewerberauswahl bieten keine inhärente Gewähr für die Einhaltung der  geltenden gesetzlichen Vorschriften des AGG. Vielmehr ist festzustellen, dass die Auswahlmethoden und kriterien in einer Vielzahl von Fällen für die Bewerber selbst intransparent und nicht objektiv nachvollziehbar sind.